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Äußerlich erfolgreich – innerlich nicht zuhause

  • Autorenbild: Hubert Schewe
    Hubert Schewe
  • 25. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Warum funktionierende Leben sich oft leer anfühlen – und wie du wieder in Verbindung mit dir selbst kommst

Es gibt Lebensphasen, in denen alles „stimmt“. Der Job passt. Die Verantwortung ist da. Die Anerkennung auch. Von außen betrachtet gibt es wenig Anlass zu zweifeln. Und doch sitzt du vielleicht morgens da, kurz bevor du losgehst, und spürst dieses leise Ziehen:„Ist das wirklich mein Leben?“

Nicht dramatisch. Nicht verzweifelt. Eher wie eine feine, beständige Irritation.

Viele der Menschen, die zu mir kommen, kennen dieses Gefühl gut. Sie sind reflektiert, leistungsfähig, verantwortungsbewusst. Sie haben viel erreicht – und gleichzeitig das Gefühl, sich selbst irgendwo auf dem Weg verloren zu haben. Nicht, weil etwas „falsch“ gelaufen ist. Sondern weil sie lange funktioniert haben.


Wenn Erfolg zur Rolle wird


Schreibtischoberfläche

Wir leben in einer Kultur, die uns früh beibringt, wer wir sein sollten. Leistungsbereit. Verlässlich. Anpassungsfähig. Zielorientiert. Diese Fähigkeiten bringen uns weit. Sie sichern Zugehörigkeit, Anerkennung, Stabilität. Was dabei oft leise verloren geht, ist etwas anderes: die Verbindung zu dem, was sich für uns stimmig anfühlt.


Viele Menschen merken das nicht sofort. Sie merken es erst dann, wenn Entscheidungen sich plötzlich schwer anfühlen. Wenn Motivation nicht mehr trägt. Wenn Erfolge zwar zufriedenstellen, aber nicht mehr erfüllen. Dann entsteht eine innere Leere, die schwer zu greifen ist. Nicht laut – sondern diffus.


Das eigentliche Problem ist vermutlich nicht dein Job

In meiner Arbeit zeigt sich immer wieder: Es geht selten darum, den Job zu wechseln, alles hinzuschmeißen oder „radikal neu anzufangen“.

Das eigentliche Thema ist oft ein anderes: Viele Menschen haben verlernt, sich selbst ehrlich wahrzunehmen.


Nicht nur im Denken – sondern im Erleben. Wir treffen Entscheidungen oft aus Gewohnheit, aus Loyalität, aus Angst vor Verlust. Und gleichzeitig sind wir erstaunlich gut darin, uns diese Entscheidungen logisch zu erklären.


Unser Verstand ist brillant. Er schützt uns, stabilisiert unser Selbstbild, sorgt dafür, dass wir uns nicht ständig infrage stellen. Doch genau das wird irgendwann zum Problem: Was wir nicht fühlen, können wir auch nicht wirklich wählen.


Wer bist du – jenseits deiner Rolle?

Eine zentrale Frage, die im Coaching immer wieder auftaucht, lautet nicht:„Was will ich erreichen?“

Sondern:„Wer bin ich, wenn ich aufhöre, eine Rolle zu erfüllen?“ Viele Menschen haben so lange Erwartungen bedient – eigene und fremde –, dass sie kaum noch unterscheiden können zwischen:

  • dem, was sie gut können

  • und dem, was ihnen wirklich entspricht.

Zwischen dem

  • was sinnvoll ist

  • und dem, was lebendig macht.

Diese Unterscheidung lässt sich nicht „erdenken“. Sie braucht einen anderen Zugang.


Selbsterkenntnis ist kein Gedankenkonstrukt


Frau mit geschlossenen Augen

In meiner Arbeit geht es nicht darum, statt schnellen Antworten zu produzieren innere Orientierung wieder erfahrbar zu machen. Dafür nutze ich drei Ebenen, die sich gegenseitig ergänzen:

  1. Ehrliche Selbstwahrnehmung statt Selbstoptimierung. Nicht: Wie werde ich besser? Sondern: Was ist gerade wirklich da, auch das Unbequeme?

  2. Den Körper als Informationsquelle einbeziehen. Viele innere Konflikte zeigen sich zuerst körperlich: als Spannung, Enge, Müdigkeit, Unruhe. Der Körper lügt nicht, aber wir hören oft nicht mehr hin.

  3. Raum für langsame, echte Klarheit. Klarheit entsteht nicht durch Druck, sondern dort, wo nichts entschieden werden muss, außer, ehrlich zu sein.


Du bist nicht deine Leistung

Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg ist die Trennung von Identität und Rolle. Du bist nicht dein Beruf. Nicht deine Erfolge. Nicht deine Verantwortung. Das alles sind Ausdrucksformen deines Lebens – aber nicht sein Kern.


Sich das einzugestehen, braucht Mut. Denn es bedeutet, Unsicherheit auszuhalten. Keine schnelle Lösung zu haben. Nicht sofort zu wissen, wie es weitergeht – und trotzdem bei sich zu bleiben. Doch genau hier beginnt etwas Neues: eine Form von Klarheit, die nicht laut ist, dafür tragfähig.


Ein gelingendes Leben fühlt sich stimmig an

Die Menschen, die langfristig zufrieden sind, haben nicht unbedingt immer die besten Antworten. Aber sie haben eine Verbindung zu sich selbst entwickelt, die ihnen Orientierung gibt.

Sie wissen:

  • wann etwas „richtig“ ist – auch ohne Argumente

  • wann ein Ja eigentlich ein Nein wäre

  • wann Anpassung Selbstverrat wird


Das ist keine Technik, es ist eine Haltung sich selbst gegenüber.


Weg ins Licht

Eine Einladung

Wenn du beim Lesen merkst, dass dich etwas berührt oder irritiert hat, dann ist das vielleicht kein Zufall.

Vielleicht ist es ein Hinweis darauf, dass ein Teil von dir wieder gehört werden möchte.

In meiner Begleitung schaffe ich Räume, in denen genau das möglich wird: ohne Druck, ohne Zielvorgaben, ohne vorgefertigte Antworten. Nicht, um jemand anderes zu werden – sondern um dir selbst wieder näher zu kommen.


Klarheit entsteht dort, wo wir aufhören, uns zu erklären und beginnen, uns zu begegnen.
 
 
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